Unsere Gruppe geht den Spuren der Teilung und des Zusammenwachsens Berlins nach. Der Entscheidung für dieses Thema gingen lange Debatten und Recherchen voraus. Zunächst beschäftigte uns die Frage, welcher Ort für die einzelnen Mitglieder unserer Gruppe mit wichtigen persönlichen Erinnerungen verbunden ist.
Wir entschieden, den Mauerpark zu unserem Thema zu machen. Dieser Park ist gleichwohl ein Symbol der Teilung wie dem Zusammenwachsen der Stadt seit 1989: Sein Name geht auf die 1961 errichtete Berliner Mauer zurück, die hier einen Teil der Grenze zwischen Ostberlin und Westberlin bildete. Er liegt zwischen den ehemals Ostberliner Bezirken Prenzlauer Berg und Mitte sowie dem ehemals Westberliner Bezirk Wedding.
>>DUSKA // Bezirk Prenzlauer Berg / Mauerpark
„Der Mauerpark ist ein historisch interessanter Ort in Berlin. Hier treffen drei Stadtbezirke aufeinander: die ehemals Ostberliner Bezirke Prenzlauer Berg und Mitte, sowie der ehemals Westberliner Bezirk Wedding. Zur Zeit der Teilung verlief die Berliner Mauer genau hier. Dieser Ort gehörte also zum Grenzgebiet. Heute ist der Park ein schöner und grüner Ort. Im Sommer kommen viele Menschen sowohl aus den Ostberliner Bezirken als auch aus dem Wedding hierher.“
>>INGA // Bezirk Kreuzberg / Spreekanal
„Wir sind hier nahe der früheren Grenze. Ich wohne um die Ecke. Hier gibt es viel Wasser und Wind, ein wenig Kultur und man kann das Zentrum von Berlin im Hintergrund sehen. Ich spaziere hier gern oder jogge. Ich lebe auf dieser, früher zu Westberlin gehörenden Seite des Flusses, meine Schwester auf der anderen, früher Ostberliner Seite. Das ist in meinem Fall symbolisch. Meine Schwester und ich haben die Hälfte unserer Kindheit im Ostteil und die andere Hälfte im Westteil Deutschlands verbracht. Jetzt leben wir auf beiden Seiten.“
„Das ist der Ort an dem ich 1999 wohnte. Ich kam nach Berlin, um zu studieren. Ich wusste damals nicht, dass Schlachtensee sehr weit vom Zentrum Berlins entfernt ist. Ich wählte diesen Ort zum Leben aus, weil die Universität gleich um die Ecke ist. Hier leben ca. 1000 Studierende. Als ich hierher kam, gab es Pläne diese Gebäude abzureißen, um ein Shoppingzentrum zu bauen. Die Studierenden organisierten Proteste gegen diese Pläne und schließlich hat eine Initiative die Gebäude gekauft. Heute können Studierende für wenig Geld hier wohnen. Dieser Ort zeigt das jeder Mensch für seine Rechte einstehen kann.“
>>JOANNA // Bezirk Tiergarten / Hansaplatz
„Kurz nach dem Fall der Mauer 1989, traf ich an diesem Ort einen Mann aus Ostberlin. Er sagte, dass er das letzte Mal vor 29 Jahren hier gewesen und nun so glücklich sei. Er nahm an, dass ich Deutsche bin und als ich ihm sagte, dass ich Polin bin, freute er sich ein zweites Mal. Er meinte, dass er viele Male in Polen gewesen war und dort seinen Urlaub verbracht hatte.“
>>ANDREA // Bezirk Tiergarten / Staatsbibliothek am Potsdamer Platz
„Ich arbeite hier in der Staatsbibliothek für meine Dissertation. Zur Staatsbibliothek gehören zwei Gebäude: Das eine befindet sich im ehemaligen Ostteil der Stadt, Unter den Linden und das zweite hier am Potsdamer Platz. Die Geschichte der Staatsbibliothek ist eine Geschichte der Wiedervereinigung: Heute arbeiten beide Einrichtungen zusammen. Ihre gemeinsame Büchersammlung umfasst ca. 9 Millionen Bücher.“
>>AARTI // Bezirk Prenzlauer Berg / Balkon ihrer Wohnung
„Das ist meine erste eigene Wohnung in Berlin. Als ich gerade nach Berlin gekommen war, saß ich ganz oft hier auf dem Balkon mit einer Tasse Tee und beobachtete die Menschen auf der Strasse.“
„Das ist das Haus wo ich aufgewachsen bin. Als Kind habe ich viel in den Höfen der Wohnhäuser gespielt. Am 13. August 1961 zogen wir um, alles war sehr chaotisch und alle waren gestresst. Meine Mutter musste früh am Morgen zu einer Parteiversammlung und meine Oma weinte, da sie sich mit dem Umzug überfordert fühlte. Als ich Hilfe holen ging, sah ich überall auf der Strasse Menschen weinen. Ich wunderte und fragte mich warum sie alle wegen unseres Umzugsstresses weinten. Am gleichen Tag wurde die Berliner Mauer gebaut.“
>>KINGA // Bezirk Kreuzberg / Café
„Menschen aus Polen verbinden auf Grund der beiden Weltkriege mit Deutschland eine zum Teil sehr leidvolle Geschichte. Auf der anderen Seite haben viele von ihnen in Deutschland eine Heimat gefunden. Unter anderem ich. Ich kam 1987 nach Berlin und mir gefiel es zuerst gar nicht. In Kreuzberg hat meine Integration stattgefunden: in Clubs, Kneipen und Cafés.“
„In dieser Strasse wuchs ich auf. Hier an dieser Stelle stand Paul, eine große Trauerweide. Als ich ein Kind war begrüßte ich ihn jeden Morgen wenn ich hier vorbeiging. Paul bewegte seine Blätter und so dachte ich, dass auch er mich begrüßt. Irgendwann gab es einen sehr heißen Sommer und ich goss Paul jeden Tag mit meiner kleinen Gießkanne. Jetzt ist Paul verschwunden und mit ihm meine Erinnerung.“